THE SINGERS of SANDY LOPICIC ORKESTAR


Ein Sängerinnentrio bei einer Bigband, die „Balkanmusik“ spielt? Nur zu schnell ist man da geneigt, an musikalischen und optischen „Aufputz“ zu denken, an ätherische Klangflächen, mit denen die obligatorischen bulgarischen Frauenstimmen den Gesamtsound auffetten, – wie thrazischer Hochzeitsschmuck am Bandkonzept hängen.


Beim Sandy Lopicic Orkestar hingegen stehen die Sängerinnen im Vordergrund, sind musikalisches Herz und Hirn (der Show) – und entbehren jeglicher folkloristischer Accessoires, sowohl was ihre elegante Bühnenpräsenz betrifft als auch die weltgewandte Modernität ihrer Darbietungen. Kein Wunder. Natasa Mirkovic-DeRo, Vesna Petkovic und Irina Karamarkovic kommen von Jazz, Blues, Rock, Musical und Klassik und verbinden diese Genres dennoch – jede auf ihre Weise – mit tiefem Wissen um die traditionellen Musikformen ihrer jugoslawischen Herkunft. Wenn nötig, verschmelzen die drei Vokalistinnen, die das erste Mal gemeinsam in der Inszenierung von Tom Waits’ „Freischütz“-Bearbeitung „The Black Rider“ am Grazer Schauspielhaus auftraten (die Geburtsstunde des Sandy Lopicic Orkestars), a-cappella zu einer Einheit, um dann bei Soloeinlagen wieder ihre Individualität zu beweisen, die eigentlich keiner Beweise bedarf.


Nicht zuletzt die Unterschiedlichkeit von Natasas, Vesnas und Irinas Persönlichkeiten, deren Stärke trotz ihrer Jugend von allerhand Lebenserfahrung zeugt und weit über ihre musikalischen Biographien hinausreicht, erzeugt jene positive Spannung, welche die Intensität eines Sandy-Lopicic-Konzertes erst ausmacht. Im Folgenden – einstweilen – die künstlerischen Biographien:



NATASA MIRKOVIC-DE RO


Natasa Mirkovic wurde am 26. August 1972 in Zenica (Bosnien-Hercegowina) geboren und wuchs in Sarajewo auf – in unmittelbare Nähe einer Roma-Siedlung, was ihr auch von früh an einen reichen Schatz an Romaliedern bescherte, den sie ins Repertoire des Sandy Lopicic Orkestars einbringt. Mit sechs begann sie Klavier zu lernen und bereits während ihrer Mittelschulzeit arbeitete sie als Rundfunkmoderatorin, als Studiomusikerin bei diversen Jazz- und Rockproduktionen und war auch Mitglied bei etlichen Ensembles - wie etwa beim Collegium Artisticum (dessen Repertoire von Renaissanceliedern über bosnische Volkslieder bis zu Modern Jazz reichte). 1989 begann sie an der Musikhochschule Sarajewo Musikwissenschaft zu studieren und spezialisierte sich auf Musikethnologie, im Rahmen dessen sie Feldforschungen in Bosnien durchführte.


1994 ging Natasa Mirkovic nach Graz, wo sie an der dortigen Musikhochschule klassischen Sologesang studierte. Im 2. Studienabschnitt Spezialisierung auf „Lied und Oratorium“. Bereits 1995 bildete sie mit ihren ehemaligen Schulfreunden Sandy Lopicic und Sasenko Prolic eine informelle Band, die sich der Neuadaption bosnischer Volkslieder widmete und auch in den Straßen von Graz auftrat. Bevor sie 1998 als „Sugar“ in Tom Waits’ „Black Rider“-Inszenierung des Grazer Schauspielhauses brillierte, konnte Natasa schon auf einige Bühnenerfahrung als Opern- und Musicalsängerin zurückblicken. Ihr Bühnendebüt gab sie als Julia in Sergej Dreznins Musical „Romeo & Juliet in Sarajewo“ (Ensemble Theater Wien, 1997), bei dem auch Vesna Petkovic sang. Es folgten die Rollen der Sheila in „Hair“ (Grazer Oper, 1997/98), der Papagena in der „Zauberflöte“ (Grazer Oper, 1999), des Stachelschweins Nungu Nugu im Kindermusical Simba (Grazer Oper, 2000) und der Graziella in der West Side Story (Wiener Volksoper, 2001).


VESNA PETKOVIC


Vesna Petkovic wurde am 23. September 1974 in Nis, Südserbien, geboren und wuchs in einem Umfeld auf, das förmlich getränkt war mit Musik, – vor allem traditioneller und volkstümlicher. Ihr Vater war Gitarrist und Sänger, ihre Mutter Tänzerin in diversen Folklore-Ensembles. Obwohl Vesnas Liebe zur traditionellen Musik und ihre früh erworbenen Kentnisse darin dem Konzept des Sandy Lopicic Orkestars sehr zugute kommen, emanzipierte sie sich früh von dieser - schuld daran waren vor allem der Einfluss von Jazz und Blues. Ihre professionelle Karriere trat sie als Rhythm & Blues-Sängerin an, es folgten Auftritte bei diversen Rock- und Jazzbands, bei Festivals sowie Fernseh- und Studioaufnahmen. Im Musikgymnasium von Nis hatte sie sich auf Musiktheorie verlegt, in der dortigen Musikhochschule auf das Fach „Chöre dirigieren“ (11 Jahre lang sang sie selber im Universitätschor).


1996 ging Vesna nach Graz, wo sie an der Universität für Musik und Darstellende Kunst das Studium des Jazzgesangs wählte, das sie (wie Irina) in der Klasse des weltberühmten Sängers Mark Murphy abschloss. Drei Jahre lang ging sie auch durch die „Akademie“ der Straßenmusik. Ihr Bühnendebüt als Musicalsängerin gab sie in Sergei Dreznins „Romeo & Juliet in Sarajewo“ (Ensemble Theater Wien, 1997), wo sie Natasa Mirkovic kennen lernte. Es folgten Auftritte in „Hair“ und „Black Rider“ (der inoffiziellen Geburt des Sandy Lopicic Orkestars). Ihre Stammband ist das Jazzquartett „Inner Urge“. Auftritte mit Smart Export, mit der Franz Schober Big Band oder der Styrian Solar Band festigten Vesna Petkovics Ruf als eine der gefragtesten Jazzvokalistinnen der Grazer Szene.


IRINA KARAMARKOVIC


Irina Karamarkovic wurde am 19. August 1978 in Pristina (Kosovo) in eine

musikalische Familie geboren. Ihre Großmutter ist Albanerin, – somit

bereichert sie das Repertoire des Orkestars mit selten gehörten

albanischen Liedern. Ihre ersten professionellen Auftritte als Sängerin

hatte sie mit sechs. Sie studierte Englisch am Institut für Fremdsprachen und schloss die Mittelschule mit einer Abiturarbeit über die „Geschichte des Jazz“ ab. Ihre erste Band Demode, welche bis zum Ausbruch des Kosovokrieges existierte, gründete Irina mit 13 und bereits als Teenager hatte sie ihre eigenen Musiksendungen im Radio, war als Schauspielerin in den progressiven Produktionen des Phoenix-Theaters in Pristina aktiv, gewann jugoslawienweit Preise als Sängerin, Schriftstellerin und Rezitatorin und arbeitete in diversen NGOs und Kulturinitiativen (vor allem in der von ihr mitbegründeten Organisation „Post Pessimists") in den Bereichen Friedensarbeit und Konfliktprävention. Daneben Ausbildung als Lastwagenfahrerin und Mannequin.


1997 ging Irina nach Graz, wo sie sich am Jazz Department der Universität für Musik und Darstellende Kunst dem Studium des Jazzgesangs widmete, das sie Juni 2001 in der Klasse von Mark Murphy abschloss. 1997 spielte und sang sie am Grazer Schauspielhaus im Musical „Black Rider". Neben unzähligen Jazz- und Rockgigs setzte sie in Graz auch ihre literarischen Tätigkeiten fort und gewann 2000 den Literaturpreis der Kulturinitiative Megaphon (in der Jury saß u. a. der weltbekannte bosnische Schriftsteller Dzevad Karahasan). Ihr Stammensemble ist das Defecto Artists Quartet, für deren Arrangements Irina ausschließlich verantwortlich zeichnet.